unverlangt zugesandt
Ich habe dieses Rezensionsexemplar nicht bestellt. // Ich will das überhaupt nicht rezensieren. // Ich will das nicht lesen. // Werde ich auch nicht. // Aber.
Freitag, 4. November 2011
Taschenbuch: Bauer / Die Parallelklasse
Die Namen der Protagonisten: Ahmed, ich und die anderen (so steht es zumindest im Untertitel)
Allererster Satz: "Als ich Ahmed nach zehn Jahren wiedersehe, will er mir Drogen verkaufen".
Seite 86: "Ich bin da aber auch stur", sagt Fatih, "ich will in Kreuzberg bleiben, was anderes kommt nicht in Frage. Es ist so: Ich bin kein Deutscher, ich bin kein Türke, ich bin Kreuzberger." (...) Wenn er es bis Ende des Jahres nicht geschafft hat, als Architekt Geld zu verdienen, sagt Fatih, zieht er nach Istanbul.
Cover: Gelb. Mit roter Schrift. Könnte auch ein Krimi sein. Oder Strandlektüre. Ist aber echtes Leben.
Blurb: "In Zeiten, da so viele Meinungsmacher schnelle und einfache Erklärungen dafür finden wollen, warum es mit dem Miteinander zwischen "Einheimischen" und den "Zuwanderer-Nachfahren" nicht so Recht funktionieren will, macht sich Patrick Bauer auf eine sehr komische und anrührende Suche nach seinen alten Klassenkameraden".
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? Alle, die sich für Berliner Realitäten interessieren, es aber gern anrührend verpackt bekommen.
Autorenphoto-Image: Lächelnder Schreiberling im Gegenlicht. So offensichtlich unkonventionell werden Neon-Redakteure abgelichtet.
Samstag, 29. Oktober 2011
Taschenbuch: Behlin / "Der Letzte macht das Licht aus ..."
Die Namen der Protagonisten: --
Allererster Satz: Gibt den Titel de Buches wieder und den gleichnamigen Witz über die DDR. Wer neues erfahren will, kann gleich weiterblättern.
Seite 86: "Da versucht der West-Berliner, mit Gewalt durchzubrechen Die DDR-Grenzer schießen".
Cover: Zwei Strichmännchen vor DDR-Fahne. Das schwarze läuft weg, das rote bleibt stehn. Nennt man wohl: sehr plakativ.
Blurb: "Dieses Buch erzählt 250 spektakuläre, spannende, bedrückende und beeindruckende Fluchtgeschichten." Klingt zumindest besser als 250 unspektakuläre, langweilige, belanglose und unbeeindruckende Geschichten.
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? 250 Schiksale auf rund 180 Seiten? Das ist nur was für Fans von Lexikoneinträgen, die ihr Weltwissen aus Brockhausbänden beziehen.
Autorenphoto-Image: Der Bartträger Behling würde zumindest optisch als DDR-Bürgerrechtler durchgehen.
Samstag, 22. Oktober 2011
Taschenbuch: Krampitz, Liske, Präkels (Hrsg.) / Kaltland
Die Namen der Protagonisten: Rolf Eden. Lala Süßkind. Hans Wall. Udo Walz.
Allererster Satz: "In den Jahren 2009 und 2010 taumelten Schriftsteller, Künstler, Kommentatoren und Fernsehteams fast geschlossen zwischen 20-Jahre-Mauerfall-Partys und 20-Jahre-Wiedervereingung-Partys herum, um de "Friedlichen Revolution" zu gedenken und all der rosa getünchten Rathäuser, Spaßbäder und neuen Autobahnen, die seither Helmut Kohls "blühende Landschaften" darstellen."
Seite 86: "Mir gegenüber saß ein Feind, der - so schien mir - mich genauso einschätzte, wie mein operativer Vorgang von der Stasi genannt woden war: "Parasit""
Cover: Stuhl auf braunem Teppichboden vor blauem Vorhang. Passt zum Titel.
Blurb: "Hoyerswerda und Rostock-Lichtenghagen sind Synonyme für einen neu entfachten Ausländerhass im wiedervereinten Deustchland. Dennoch haben in den zahllosen Wenderomanen ... weder die Opfer eine klare Stimme erhalten, noch spielten die Täter eine besondere Rolle. Kaltland füllt diese Leerstelle."
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? Ja, ich! Titel, Cover und Klappentext klingen zwar arg schwer, aber die Liste mit Autorennamen wie Annett Gröschner, Jakob Hein, Schorsch Kamerun, Helmut Höge, Martin Sonneborn, Michael Wildenhain u.a. macht Lust, mal reinzulesen.
Autorenphoto-Image: Die Herausgeber Karsten Krampitz, Markus Liske und Manja Präkels sehen zumindest so aus, als könnten sie auch mal einen Witz machen.
Samstag, 15. Oktober 2011
Taschenbuch: Frisch / Mein Kurfürstendamm

Allererster Satz: "Am Kurfürstendamm leben und arbeiten Menschen in traditionsreichen Unternehmen wie dem Hotel Kempinski oder dem Photogeschäft Urbschat."
Seite 86: "Außerdem ist unter dem Gebäude des Ku-Damm-Karrees auch ein Atomschutzbunker zu besichtigen, der Teil der Ausstellung ist. Er wurde 1973 gebaut aufgrund einer Anordnung der westlichen Allierten zur Zeit des Kalten Krieges, durch die die Zivilbevölkerung geschützt werden sollte. Mit 3.600 Plätzen würde hier auch heute noch im Notfall ein Teil der Kudamm-Anwohner für 2 Wochen einen sicheren Platz finden können. (!)"
Cover: Zwei Fotos: Gedächtniskirche aus Vorkriegszeiten, Gedächtniskiche heute. Würde prima zu einem Vorher-Nachher-Buch passen. Und, huch, die Autorin veröffentlichte schon 2008 das Buch "Abenteuer Kurfüstendamm - Damals und heute" mit einem nahezu identischen Cover.
Blurb: "Helga Frisch ... war Initiatorin von drei großen Bürgerinitiativen gegen den Zeittakt im Ortsgespräch (1975/76 und 1995/96) und gegen die Schließung des Fernbahnhofs Zoo (ab 2005) ... Alle in diesem Buch beschriebenen Personen haben tatsächlich über "ihren" Kurfürstendamm berichtet."
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? Klaus Wowereit. Der Kudamm-Gegend-Bewohner hat sogar ein Grußwort für das Buch geschrieben.
Autorenphoto-Image: Mit dem Bild auf dem Buch könnte Helga Frisch beim Hertha-Müller-Lookalike-Wettbewerb antreten.
Samstag, 8. Oktober 2011
Taschenbuch: Höllger / Tegeler Nebenstunden
Die Namen der Protagonisten: "Es war ein Mensch / hieß Walter Hensch- / -ke, kam aus Crossen"
Allererster Satz: "Auch mit grauem Eselskopf / Schenk ich dir noch Rosen."
Seite 86: So dick ist das Lyrikbändchen nicht. Es endet schon mit Seite 46.
Cover: Es zeigt laut Verlagsangaben "das allseits bekannte Bildnis des Herrn Walther von der Vogelweide", also den wegweisenden Dichter des Mittelalters. Ganz schön hoch gegriffen.
Blurb: "Ihre Gedichte haben mich tief bewegt. Es sind nämlich wirkliche Gedichte."
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? Es gibt da so einen Lyrik-Spezialisten in der Familie.
Autorenphoto-Image: ein Foto ist nicht aufindbar.
Dienstag, 14. Juni 2011
Hardcover: Van Mersbergen/Wie es begann
Die Namen der Protagonisten: Evana. Max. Edyta. Latent osteuropäisch, könnte man sagen.
Allererster Satz: "Die Nabelschnur wird durchgeschnitten."
Seite 86: "Im Licht des Nachtlämpchens am Gitterbett schaut sie nicht auf seinen Mund, der ihre Brustwarze umschließt, sie versucht, das Saugen nicht zu spüren, sie schaut auf die Bildwand gegenüber dem Bett und denkt an die Hundeschnauze, die Flasche, die sie dem Hund gab, und sie hofft, dass es schnell vorbei ist, mit dieser Nacht, diesen ersten Wochen, diesem ganzen Muttersein."
Cover: Ein Luftballon, der von Regentropfen bedeckt schlaff am Zaun hängt. Da gruselt's einen doch sofort.
Blurb: "In einem Roman von großer innerer Spannung erzählt Jan van Mersbergen von Schuld und Verantwortung, von unseren intimsten Gefühlen und Ängsten gegenüber von Geschöpfen, die uns anvertraut sind."
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? Oh ja. Es gibt auch junge Mütter mit Sinn für bittere Selbstironie. Sogar in Berlin.
Autorenphoto-Image: Cowboy aus den 1970ern, der sich in einem einsamen niederländischen Dorf Grausamkeiten ausdenkt.
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Dienstag, 31. Mai 2011
Taschenbuch: Boudinot/Sperm & Egg
Die Namen der Protagonisten: Ich, Cedar. Kat.
Allererster Satz: "In der achten Klasse erhielt ich einen Schulverweis, weil ich mein Sperma in den Biologieunterricht mitgebracht hatte."
Seite 86: "Ich dachte, du magst Brathähnchen."
Cover: Vielleicht gefällt's ja Menschen unter, hm, 16. Oder unter 14?
Blurb: "Was hast Du dabei, Cedar?", fragte Rachel. "Babykaulquappen", sagte ich.
Kenne ich jemanden, der das lesen würden? Siehe "Cover". Gemeint ist ein Alter, in dem man schon beim Wort "Sperma" anfängt zu kichern. Oder es gar nicht erst über die Lippen bekommt.
Autorenphoto-Image: Uh, ein Berufsjugendlicher, der sich in junges Gemüse reindenkt.
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